Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg

Besuch einer Delegation aus Deutschland in der Gedenkstätte in Theresienstadt

Besuch einer Delegation aus Deutschland in der Gedenkstätte in Theresienstadt, © picture alliance / GES-Sportfoto

Artikel

Jedes Jahr bieten zahlreiche Veranstaltungen in der Tschechischen Republik Anlass und Gelegenheit, der Opfer von Nationalsozialismus und Krieg zu gedenken. Regelmäßig nehmen Vertreter der Deutschen Botschaft Prag an diesen Veranstaltungen teil.

Theresienstadt

Während der traditionellen Gedenkfeier zum Andenken an die Opfer des KZ Theresienstadt und des Gestapo-Gefängnisses der Kleinen Festung in Theresienstadt ehrte am 19. Mai 2019 neben zahlreichen politischen Repräsentanten, Vertretern des diplomatischen Korps, Holocaust- Überlebenden und Bürgern auch die Gesandte Christiana Markert das Andenken an die Opfer des Holocausts mit einer Kranzniederlegung.

In Theresienstadt wurde im Herbst 1941 auf Befehl des stellvertretenden Reichsprotektors Heydrich ein Sammel- und Durchgangslager eingerichtet, das zunächst hauptsächlich für die jüdische Bevölkerung des Protektorats Böhmen und Mähren gedacht war. Nach der Wannseekonferenz 1942 wurden auch Juden aus Deutschland und anderen besetzten europäischen Ländern in das Lager deportiert. Ende 1942 setzten Transporte in die Vernichtungslager im Osten ein. Von den insgesamt 160.000 Ghettohäftlingen wurden über 87.000 in Vernichtungslager deportiert; nur 3.800 von ihnen erlebten die Befreiung. Über 35.000 Menschen starben in Theresienstadt. Viele von ihnen sind auf dem Nationalen Friedhof begraben, auf dem die Gedenkfeier stattfand.


Lidice

Jedes Jahr nehmen zahlreiche politische Würdenträger, Vertreter von Botschaften und hunderte von Gästen am Gedenken an die Zerstörung des Dorfes Lidice und an die Gräueltaten an der Bevölkerung teil. In diesem Jahr jähren sich die Ereignisse zum 77. Mal. An der Gedenkveranstaltung am 15. Juni nahm Botschafter Dr. Christoph Israng teil.


Das ca. 20 km von Prag gelegene Dorf Lidice wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 als Vergeltungsmaßnahme nach der Ermordung des stellvertretenden Reichsprotektors Heydrich durch tschechoslowakische Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten dem Erdboden gleichgemacht. Die 173 Männer des Ortes wurden vor Ort erschossen, von den 195 Frauen überlebten 143 das KZ Ravensbrück, nur 17 der 98 Kinder kehrten nach Kriegsende in das Dorf zurück. An der Stelle des ehemaligen Dorfes entstand 1945 eine Gedenkstätte. Ein neues Lidice wurde für die überlebenden Frauen und Kinder einige hundert Meter entfernt neu aufgebaut.


Ležáky

Gedenken in Ležáky 2018
Gedenken in Ležáky 2018© Gedenkstätte Ležáky

Am 24. Juni 1942 wurden nach Lidice in einem zweiten Racheakt der Nationalsozialisten auf die Ermordung Heydrichs die 34 erwachsenen Bewohner der Siedlung Ležáky erschossen und alle Häuser zerstört. 13 Kinder wurden erst verschleppt und später in Gaskammern im polnischen Chmelno ermordert - allein zwei Schwestern überlebten das Massaker. Am Gedenkakt zum 77. Jahrestag dieser Ereignisse nahm Pressereferent Dr. Guido Müntel teil.


Lety

Rund zweihundert Gäste, Hinterbliebene, Vertreter des öffentlichen Lebens, Politiker und Diplomaten unter ihnen auch die Gesandtin Christiana Markert gedachten am 12. Mai 2019 der Opfer des Roma-Holocausts. In dem Lager Lety waren zwischen 1942 und 1943 rd. 1.300 Roma interniert, 326 von ihnen starben hier. Rund 90 Prozent der vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet des heutigen Tschechien lebenden Roma wurden Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik.

Erinnerung an die Opfer des Roma-Holocaust in Lety, 2018
Erinnerung an die Opfer des Roma-Holocaust in Lety, 2018© Deutsche Botschaft Prag

Seit den 1970er Jahren steht auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Lety ein Schweinemastbetrieb, dessen Existenz auch international kritisiert wurde. Im November 2017 hat die tschechische Regierung den Kaufvertrag zum Erwerb des Geländes abgeschlossen; im April 2018 hat das Museum für Roma-Kultur in Brünn das Areal übernommen.


Krupka

Am 24. April 1945 erreichte ein Zug mit 1.880 KZ-Häftlingen den Bahnhof in Bohosudov nahe Teplice. 313 der Häftlinge starben während des Halts auf dem Bahnhof. Nach Kriegsende entstand auf dem Massengrab eine Gedenkstätte. Botschafter Dr. Christoph Israng nahm am Gedenkakt in Krupka am 24. April 2019 teil.


Roztoky bei Prag

An dem diesjährigen Gedenkakt in Roztoky bei Prag hat der Leiter des Kulturreferats Markus Klinger, gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde, des diplomatischen Corps und der Bevölkerung der Opfer eines Todeszuges, der Ende April 1945 in Roztoky Halt machte gedacht.

Kranzniederlegung in Roztoky am 26.4.2018
Kranzniederlegung in Roztoky am 26.4.2018© Jan Žirovnický

Am 29. 4. 1945 machte ein Zug mit rd. 4.000 KZ-Häftlingen auf dem Bahnhof von Roztoky für einen Tag Halt. Der Bevölkerung von Roztoky gelang es, den Häftlingen Essen und Trinken zu geben. Elf, in Roztoky verstorbene Häftlinge wurden in Roztoky begraben. Einigen Häftlingen gelang mit Hilfe der Bevölkerung die Flucht.



Hradištko

Am 8.Mai erinnert die rd. 30 km südlich von Prag gelegene  Gemeinde Hradištko an die Opfer  des nahegelegenen KZs. Am diesjährigen Gedenkakt nahm die Leiterin des Wirtschaftsreferats Rebecca Kašens teil.

In  Hradištko befand sich ab 1943 ein Außenlager des KZ-Flossenbürgs. In dem ab März 1944 über 320  Kriegsgefangene  interniert waren, vor allem Franzosen, aber auch Spanier, Italiener, Belgier, Russen und Polen. Das Wachpersonal wurde von SS-Pionierbataillonen des nahen Truppenübungsplatzes gestellt. Im April 1945 wurden mind. 50 Gefangene erschossen.


Verwandte Inhalte

nach oben