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Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg

Besuch einer Delegation aus Deutschland in der Gedenkstätte in Theresienstadt

Besuch einer Delegation aus Deutschland in der Gedenkstätte in Theresienstadt, © picture alliance / GES-Sportfoto

Artikel

Jedes Jahr bieten zahlreiche Veranstaltungen in der Tschechischen Republik Anlass und Gelegenheit, der Opfer von Nationalsozialismus und Krieg zu gedenken. Regelmäßig nehmen Vertreter der Deutschen Botschaft Prag an diesen Veranstaltungen teil.

Theresienstadt

In Theresienstadt wurde im Herbst 1941 auf Befehl des stellvertretenden Reichsprotektors Heydrich ein Sammel- und Durchgangslager eingerichtet, das zunächst hauptsächlich für die jüdische Bevölkerung des Protektorats Böhmen und Mähren gedacht war. Nach der Wannseekonferenz 1942 wurden auch Juden aus anderen besetzten europäischen Ländern und aus Deutschland in das Lager deportiert. Ende 1942 setzten Transporte von Theresienstadt in die Vernichtungslager im Osten ein. Von den insgesamt 140.000 Ghettohäftlingen erlebten hier nur 3.800 die Befreiung 1945. Über 87.000 von ihnen wurden deportiert, über 35.000 Menschen starben in Theresienstadt. Viele von ihnen sind auf dem Nationalen Friedhof begraben, auf dem die nationale Gedenkfeier zum Andenken an die Opfer des KZ Theresienstadt und des Gestapo-Gefängnisses in der Kleinen Festung jedes Jahr am dritten Maisonntag stattfindet. An ihr nehmen hohe  politische Repräsentanten, Vertreter des diplomatischen Korps, Holocaust- Überlebende und zahlreiche Bürger teil.


Lidice

Das ca. 20 km von Prag gelegene Dorf Lidice wurde von den Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 als Vergeltungsmaßnahme nach der Ermordung des stellvertretenden Reichsprotektors Heydrich durch tschechoslowakische Widerstandskämpfer dem Erdboden gleichgemacht. Die 173 Männer des Ortes wurden vor Ort erschossen, von den 195 Frauen überlebten 143 das KZ Ravensbrück, nur 17 der 98 Kinder kehrten nach Kriegsende in das Dorf zurück. An der Stelle des ehemaligen Dorfes entstand 1945 eine Gedenkstätte. Ein neues Lidice wurde für die überlebenden Frauen und Kinder einige hundert Meter entfernt neu aufgebaut.

Jedes Jahr nehmen im Juni zahlreiche politische Würdenträger, Vertreter von Botschaften und hunderte von Gästen am Gedenken an die Zerstörung des Dorfes Lidice und an die Gräueltaten an der Bevölkerung teil.


Ležáky

Gedenken in Ležáky 2018
Gedenken in Ležáky 2018© Gedenkstätte Ležáky

Nach dem Massaker von Lidice wurden am 24. Juni 1942 in einem zweiten Racheakt der Nationalsozialisten auf das Heydrich-Attentat die 34 erwachsenen Bewohner der Siedlung Ležáky erschossen und alle Häuser zerstört. 13 Kinder wurden erst verschleppt und später in Gaskammern im polnischen Chmelno ermordet - allein zwei Schwestern überlebten das Massaker.  Der Gedenkakt für die Opfer dieses Massakers findet jedes Jahr Ende Juni statt.


Lety

Im Roma-Lager Lety waren zwischen 1942 und 1943 1.309 Kinder, Frauen und Männer interniert, 326 von ihnen starben hier. Rund 90 Prozent der vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet des heutigen Tschechien lebenden Roma wurden Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik.

Seit den 1970er Jahren stand auf dem Gelände des ehemaligen Roma-Lagers in Lety ein Schweinemastbetrieb, dessen Existenz auch international kritisiert wurde. 1995 wurde auf Initiative von Präsident Havel eine erste Gedenkstätte an der Stelle eines vermuteten Massengrabs eröffnet.  2017 hat die tschechische Regierung den Schweinemastbetrieb gekauft, 2018 hat das Museum für Roma-Kultur in Brünn die Verwaltung des Geländes übernommen. Der 2020 aus einem internationalen Architekturwettbewerb hervorgegangene Entwurf zur Gestaltung der neuen Gedenkstätte soll ab 2021 realisiert werden. Deutschland wird sich an der Realisierung beteiligen.

An der Stelle des Massengrabes findet jedes Jahr Anfang Mai ein Gedenkakt statt, an dem u.a. Politiker, Vertreter von Botschaften und der Zivilgesellschaft teilnehmen.

Erinnerung an die Opfer des Roma-Holocaust in Lety, 2018
Erinnerung an die Opfer des Roma-Holocaust in Lety, 2018© Deutsche Botschaft Prag








Krupka

Am 24. April 1945 erreichte ein „Todes-Zug“ mit 1.880 KZ-Häftlingen den Bahnhof in Bohosudov nahe Teplice. 313 der Häftlinge starben während des Halts auf dem Bahnhof. Nach Kriegsende entstand auf dem Massengrab eine Gedenkstätte, an der jedes Jahr Ende April ein Gedenkakt stattfindet.

Roztoky bei Prag

Am 29. 4. 1945 machte ein Zug mit rund 4.000 KZ-Häftlingen auf dem Bahnhof von Roztoky für einen Tag Halt. Der Bevölkerung von Roztoky gelang es, den Häftlingen Essen und Trinken zu geben. 11 verstorbene Häftlinge wurden in Roztoky begraben. Einigen Häftlingen gelang mit Hilfe der Bevölkerung die Flucht. Die Stadt Roztoky gedenkt jedes Jahr am Bahnhof und am Grab der Opfer des Todeszuges der Ereignisse. An den Gedenkakten  ist die Botschaft regelmäßig vertreten.

Kranzniederlegung in Roztoky am 26.4.2018
Kranzniederlegung in Roztoky am 26.4.2018© Jan Žirovnický

Am 29. 4. 1945 machte ein Zug mit rd. 4.000 KZ-Häftlingen auf dem Bahnhof von Roztoky für einen Tag Halt. Der Bevölkerung von Roztoky gelang es, den Häftlingen Essen und Trinken zu geben. Elf, in Roztoky verstorbene Häftlinge wurden in Roztoky begraben. Einigen Häftlingen gelang mit Hilfe der Bevölkerung die Flucht.




Hradištko

Am 8. Mai erinnert die rund 30 km südlich von Prag gelegene Gemeinde Hradištko jedes Jahr an die Opfer des nahegelegenen ehemaligen Konzentrationslagers. In Hradištko befand sich ab 1943 ein Außenlager des KZ Flossenbürg,  in dem ab März 1944 über 320  Kriegsgefangene  interniert waren, vor allem Franzosen, aber auch Spanier, Italiener, Belgier, Russen und Polen. Das Wachpersonal wurde von SS-Pionierbataillonen des nahen Truppenübungsplatzes gestellt. Im April 1945 wurden mindestens 50 Gefangene erschossen.


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