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Kultur & Bildung

Stand: März 2018

Bilaterale Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik

Die deutsch-tschechischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsbeziehungen zeichnen sich durch rege nachbarschaftliche Kontakte auf allen Ebenen aus. Diese Kontakte finden direkt zwischen den jeweiligen Kommunen, Museen oder Freundschaftsvereinen statt. Eine Herausforderung bleibt die Förderung des Interesses am Nachbarn, insbesondere auch an der Aufrechterhaltung und Steigerung der Kenntnisse der jeweiligen Nachbarsprache. 2017 fand anlässlich des 20 jährigen Jubiläums der Deutsch-Tschechischen Erklärung ein Deutsch-Tschechischer Kulturfrühling statt, in dessen Rahmen unter anderem eine Gerhard-Richter-Ausstellung in Prag gezeigt wurde und diverse Sport- und Sprachveranstaltungen mit Jugendlichen in den Grenzgebieten stattfanden.

Deutsch als Fremdsprache

Einen weiteren Schwerpunkt der kultur- und bildungspolitischen Beziehungen bildet die Förderung der deutschen Sprache. Mit der im September 2013 eingeführten zweiten Fremdsprache als Wahlpflichtfach wurde die Mehrsprachigkeit im tschechischen Schulsystem gestärkt. Davon profitiert vor allem Deutsch, das nach Englisch die am häufigsten gewählte Fremdsprache in Tschechien ist. Verstärkend wirkt die deutsch-österreichische Deutschlernkampagne „Šprech-tí-me“ (= „wir sprechen Deutsch“), die seit 2011 gemeinsam von beiden Botschaften und Kulturinstituten, der ZfA, beiden Industrie- und Handelskammern sowie dem DAAD betrieben wird. Die Kampagne wird vom tschechischen Schulministerium unterstützt; zudem konnten u.a. mit Tandem (Koordinierungszentren deutsch-tschechicher Jugendaustausch), einigen Universitäten, dem Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren und dem Tschechischen Wirtschaftsforum weitere wichtige Partner gewonnen werden. Erstmalig seit den 1990er Jahren gab es 2014/2015 wieder einen Zuwachs bei der Anzahl Deutschlernender (derzeit ca. 340.000 Schülerinnen und Schüler). Als einzige deutsche Auslandsschule in Tschechien erfüllt die Deutsche Schule Prag (DSP) eine wichtige Signalfunktion. Auch das zweisprachige Thomas-Mann-Gymnasium in Prag und die dazugehörige Grundschule - gegründet durch die deutsche Minderheit erfreuen sich regen Zuspruchs, ebenso das Spezialgymnasium F.X. Šaldy in Liberec/Reichenberg, das eine deutschsprachige Abteilung unterhält. Gemeinsam mit dem GI werden Veranstaltungen zu den Themenschwerpunkten Deutsch als „Nachbarsprache“ durchgeführt. Der DAAD fördert mit ca. 700 Stipendien jährlich Bewerber aus Tschechien. Der Deutsch-tschechische Zukunftsfonds unterstützte 2017 u.a. die 22. Auflage des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache, eines weltweit einzigartigen Leuchtturmprojekts deutschsprachiger Kulturarbeit.

Studium und Stipendien

An den Hochschulen steht die Förderung tschechischer Nachwuchseliten durch Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland, die Förderung der germanistischen Ausbildung sowie die Förderung des studienbegleitenden Deutschunterrichts im Mittelpunkt. Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sind an fast allen Universitätsstandorten vertreten. Das DAAD-Zentrum in Prag informiert zum Thema Studieren und Forschen in Deutschland und betreut jährlich etwa 700 tschechische Stipendiat/innen. Darüber hinaus bieten die deutschen politischen Stiftungen zahlreiche Programme zur Förderung der akademischen Bildung und des universitären Austausches an. Dieses vielfältige Angebot wird durch die EU-Stipendienprogramme SOKRATES und ERASMUS ergänzt.

Die Zusammenarbeit von Hochschulen und Wissenschaft wird weiter ausgebaut, zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Tschechische Forschungsgemeinschaft (GA ČR) im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen, die Tschechische Akademie der Wissenschaften, das Bundesministerium für Forschung und Bildung, den DAAD oder die Alexander von Humboldt-Stiftung.

Die deutsch-tschechische Forschungskooperation, insbesondere auf dem Gebiet der angewandten Forschung, ist ein Kernthema im deutsch-tschechischen Strategischen Dialog. Diesbezüglich wurde am 19. Oktober 2016 ein gemeinsames Memorandum zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und dem tschechischen Regierungsamt als Beginn erster Pilotprojekte in der Tschechischen Republik unterzeichnet.

Ein Äquivalenzabkommen (Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Gleichwertigkeiten von Bildungsnachweisen im Sekundar- und Hochschulbereich) ist am 7. Juli 2008 in Kraft getreten.

Goethe-Institut

Wichtigster Mittler der deutschen Kultur ist das Goethe-Institut in Prag, dem auch die regionale Koordinierung für das Baltikum und Mitteleuropa übertragen wurde. Es wird durch Goethe-Zentren in Pardubice / Pardubitz und České Budějovice / Budweis unterstützt. Nähere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/ins/cz/pra/deindex.htm

Theater und Festivals

Alljährlich findet im Herbst ein etwa zweiwöchiges Prager Theaterfestival deutscher Sprache statt. Im Rahmen des weltweit einzigartigen und bei Publikum wie Kritikern viel beachteten Festivals treten namhafte Theaterproduktionen aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern auf Prager Theaterbühnen auf. Die 22. Auflage des weltweit einzigartigen Festivals fand im Herbst 2017 statt. (www.theater.cz/de).

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren gehört ebenfalls zu den Partnern der Botschaft, mit dem sie regelmäßig u. a. gemeinsame Lesungen veranstaltet. Es wurde im Jahre 2004 von der deutschschreibenden Prager Schriftstellerin Lenká Reinerová, Botschafter a.D. František Černý und dem Vorsitzenden der Franz-Kafka-Gesellschaft Kurt Krolop gegründet. Das Literaturhaus verfolgt das Ziel, der breiten Öffentlichkeit deutschsprachige Autoren vorzustellen, die auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik gelebt und gewirkt haben.

Neben thematischen Literaturveranstaltungen und Diskussionsabenden engagiert sich die Institution auch im Bereich der Literaturförderung und fördert den internationalen Schriftstelleraustausch. In diesem Rahmen vergibt sie auch Stipendien für einheimische Schriftsteller sowie literarische Residenzen für ausländische Autoren in Prag. Schließlich bietet die Bibliothek des Prager Literaturhauses eine sehr umfangreiche und öffentlich zugängliche Sammlung deutschsprachiger Literatur. Den Leser/innen stehen rund 1000 Bände an Primär- und Sekundärliteratur zu deutschsprachigem Schrifttum aus Böhmen und Mähren zur Verfügung. Seit 2014 finden zudem im Rahmen einer Kooperation mit dem Germanistiklehrstuhl an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen statt. Bundesminister Steinmeier besuchte das Literaturhaus 2014 anlässlich seines zehnjährigen Bestehens.

Jugendaustausch

Das Koordinierungszentrum des deutsch-tschechischen Jugendaustauschs TANDEM (www.tandem-org.de) mit seinen Büros in Regensburg und Pilsen organisiert den bilateralen Jugendaustausch. Das Deutsch-Tschechische Jugendforum, ursprünglich ein Projekt des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, kommt mehrmals im Jahr zusammen, um über Belange der deutsch-tschechischen Jugend zu diskutieren und eigene Projekte zu initiieren. Ein weiterer interessanter Akteur ist der von der Brücke/Most-Stiftung (www.bmst.eu) ins Leben gerufene Prag-Kontakt (www.pragkontakt.eu).

Deutsche Minderheit

Die von tschechischer Seite wie auch von der Bundesregierung geförderten Begegnungszentren und Kulturvereine der deutschen Minderheit sind zum Großteil in der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (www.landesversammlung.cz) sowie dem Kulturverband organisiert. Im Rahmen ihrer kulturellen Tätigkeit bieten sie u.a. Sprachkurse an und beteiligen sich an z.T. grenzüberschreitenden Projekten. Eine weitere Organisation ist der Jugendverband JUKON, der sich zum Ziel gesetzt hat, junge Deutsche und Tschechen zusammenzubringen.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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